Darmstädter Echo 20.11.06
Keine Vorschrift, aber nützlich
Fahrradhelm: Es muss nicht das Luxusmodell sein, doch sollte man sich öfters einen neuen Kopfschutz gönnen, rät die Polizei
DARMSTADT. „Die Frisur ist keine Ausrede.“ Auf den Kopf jedes Radfahrers gehöre ein Helm, sagt Polizeioberkommissar Roman Morschett von der Jugendverkehrsschule in Darmstadt. „Wir müssen doch die Denkzentrale schützen.“ Auch wenn dies keine bindende Vorschrift sei, wie die Gurtpflicht beim Autofahren.Seit zwölf Jahren bringt Morschett Schulkindern das Radfahren im Straßenverkehr bei. Nicht ohne Kopfschutz. Wie wichtig der ist, hat Morschett am eigenen Kopf erfahren: „Ich bin gestürzt, der Helm war kaputt – aber ich unverletzt.“
Nach einem Unfall muss der Helm nicht nur bei offensichtlichen Dellen und Kratzern entsorgt werden. Logisch. Und trotzdem kommen dem Fachmann immer wieder Negativbeispiele unter. „Da haben Kinder Helme dabei, die dick mit Kleber geflickt sind“, erzählt er. Diese Helme schützen höchstens noch vor Regen. Nicht aber vor Verletzungen. Denn: „Auch ein unsichtbarer Haarriss kann die Stabilität gefährden.“
In die Mülltonne gehören aber nicht nur Unfall-Helme. Auch altersschwacher Kopfschutz sollte entsorgt werden. Mit der Zeit ermüdet das Material, das Styropor-Polster wird wirkungslos. „Nach spätestens fünf Jahren sind die Weichmacher verflogen und das Styropor wird bröselig“, sagt Morschett. „Also den Helm bloß nicht von Kind zu Kind über Generationen vererben“, warnt er.
Regelmäßig muss ein neuer Kopfschutz her. „Gar nicht unbedingt ein Luxusmodell“, sagt Morschett. Was die Discounter anbieten, könne man ruhig kaufen. Solange ein TÜV-Siegel auf der Innenseite klebe. Was wichtig ist: „Der Helm muss bereits sitzen, bevor die Kinnriemen festgestellt werden.“ Deshalb seien Verstellmöglichkeiten am Hinterkopf für eine individuelle Passform wichtig. Der Kopfschutz muss fest sitzen, sagt Morschett. Richtig fest, auch wenn’s unangenehm ist. „Ein Druckgefühl am Hals gehört dazu“, erklärt Morschett. Je hochwertiger der Helm, desto bequemer sei er am Hals gepolstert, weiß der Fachmann.
Bei Kinderhelmen sollten Eltern darauf achten, dass diese nicht zu schwierig zu handhaben sind. Die Kleinen sollten allein mit ihnen zurecht kommen. Eine Alternative zum Fahrradhelm ist übrigens der Reithelm. Er schützt genauso gut. Mit einer passenden Schale auf dem Schopf radelt es sich sicherer. Nicht nur auf einer langen Tour. Vor allem auf dem Weg zum Bäcker, in die Schule, zum Sportplatz. Die meisten Unfälle passierten schließlich auf der Kurzstrecke, gibt Morschett zu Bedenken. „Also vor jedem Start den Helm auf – und dann erst los.“
Petra Lochmann20.11.2006

